Tradition fordert Mut zur Erinnerung

  Es gibt nur eine Sünde, die gegen die ganze Menschheit mit allen ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte. (Hebbel; Tagebücher)

Dazu sagte in seiner Rede zum 40sten Jahrestag des 8. Mai 1945 der damalige Bundespräsident Richard von Weizäcker unter anderem:

"Junge und Ältere müssen und können sich gegenseitig helfen zu verstehen, warum es lebensnotwendig ist, die Erinnerung wach zuhalten. Wer Mut zur Erinnerung hat, der findet auch Zukunft".

Traditionspflege ist so bedeutend, dass sie in totalitären Regimen zur Verfälschung der Geschichte zu ideologischen Zwecken benutzt wurde und noch wird. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Soldaten der Wehrmacht für eine verbrecherische Politik missbraucht; sie brachten große militärische Leistungen in dem Vertrauen, für eine gute Sache zu kämpfen. Es ist wichtig, sich an diesen historischen Sachverhalt zu erinnern und das Wissen um die Zusammenhänge zu vertiefen.

Streitkräfte sind sichtbarer Ausdruck staatlichen Selbstbehauptungswillens und hauptsächliche Träger staatlicher Macht. Über ihre rechtliche und gesellschaftliche Legitimation hinaus bedarf es daher ihrer festen Einbindung in eine ethisch wie sittlich saubere Werteordnung. Eine solche Werteordnung ohne Tradition ist nicht denkbar. Tradition aber versteht sich aus der ursprünglichen Bedeutung des Begriffes heraus (tradere = überliefern, weitertragen) als Bewahren des Wissens und der Erfahrungen aus der Vergangenheit zur Nutzung für Gegenwart und Zukunft; sie ist nicht gleichzusetzen mit Geschichte. Sie ist viel mehr die bewusste Auswahl von Menschen und Ereignissen, von Haltungen und Taten, die beispielgebend sind. An diese Auswahl stellt sich ein hoher Anspruch. Sie bedingt auch eine besonders sachliche, differenzierende und kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte. Denn: Wer die Geschichte nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen.

"Ein solches Verständnis lässt Raum, vorbildliche soldatische Haltung und hervorragende militärische Leistungen aus allen Epochen der deutschen Militärgeschichte in die Tradition der Bundeswehr zu übernehmen" (Bundesverteidigungsminister Volker Rühe am 13.3.1997 vor dem Deutschen Bundestag).

Und anläßlich der Kommandeurtagung der Bundeswehr hat noch am 12. November 2005 Bundespräsident Horst Köhler festgestellt:

"Die Bundeswehr hat unserem Land 50 Jahre treu gedient. Sie hat damit ihre eigene, gute Tradition begründet, und sie pflegt die Tradition ihrer Vorgängerarmeen, getreu dem Apostelwort: „Prüfet alles! Das Gute behaltet!“"

Diese überzeugende Feststellung entspricht auch dem Traditionsverständnis der früheren Gemeinschaft der Jagdflieger, die als heutige Vereinigung der Flieger deutscher Streitkräfte ausdrücklich die Flieger aller deutschen Streitkräfte meint. Auch wenn die NVA in Grundsatzdokumenten nach 1989 als nicht traditionsstiftende und -begründende Armee politisch ausgegrenzt wurde. Diese Gemeinschaft reicht mit Überzeugung auch ihnen die Hand.

 

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